Die Namensgebung der Jugendeinrichtung leitet sich von den Zentauren (griechisch: centauros) ab. Diese Mischwesen zwischen Mensch und Pferd stammen aus der antiken Mythologie und symbolisieren mehrere Aspekte:
· einerseits ein wildes, ungezügeltes Volk
· andererseits den weisen, gütigen Erzieher vieler späterer Helden
· insgesamt bilden sie eine harmonische Einheit zwischen Mensch und Pferd
Der Natur entsprechend basiert die pädagogische Arbeit in der Jugendeinrichtung Centauro auf einem ganzheitlichen, situativen Ansatz. Genutzt werden Elemente der Ergo-, Arbeits-, Sozial-, Reit-, Gestaltungs- und Bewegungstherapie.
Im täglichen Ablauf werden den Jugendlichen größtmögliche Aufmerksamkeit und Zuwendung gegeben. Hierzu gehört die individuelle Förderung der Sinne, des Lern- und Sozialverhaltens, praktischer Alltagsfähigkeiten sowie der Gesamtpersönlichkeit.
Die Erfahrung der Sinne, Ruhe und Entspannung im Wechsel mit praktischen, sinnvollen Arbeiten, Teamarbeit, Naturerlebnissen, Sport und Unterricht sowie der verantwortliche Umgang mit Tieren als wesentlicher Bestandteil der jugendlichen Entwicklung sind Schwerpunkte der Konzeption.
Sie werden durch teilweise anstrengende Arbeiten rund um die Pferde, Übernahme eines festen Pflegepferdes, Gruppenarbeit, verbalen Austausch, Übernahme von Hausarbeiten und praxisbezogenen Unterricht in Kleingruppen gefördert.
Arbeiten in Wald, Nutzgarten und Streuobstwiese lassen einen Bezug von „Arbeit zur Ernte“ entstehen und führen sie zu sichtbaren Ergebnissen. Dabei wird die Gruppengröße situationsbezogen variiert. Diese Tätigkeitsformen führen zu einer abwechslungsreichen, flexiblen Gestaltung des Tagesablaufes. Die Tage und Abläufe werden trotzdem stark strukturiert und täglich gemeinsam ausgewertet.
Die Jugendlichen sind für die Dauer der Maßnahme von der allgemeinen Schulpflicht befreit. Individuell angepasster Unterricht in Grundfächern erfolgt stundenweise im Haus durch unseren Lehrer.
Jahreszeitgemäß, anlass- und situationsbezogen werden zusätzliche (Freizeit) Projekte oder Aufgaben angeboten. Möglich sind z.B. Boot fahren (Kanu, Ruder- bzw. Schlauchboot, Segeln, Floß), der Erwerb des Fischereischeines, das Räuchern und Grillen selbst geangelter Fische, Lagerfeuer, Survivaltraining, Heuernte, Kochen, Exkursionen, Basteln, Handwerken mit Holz, das Bauen von Hütten, Nistkästen, Vogelhäusern, die Pflege einer Streuobstwiese oder eines Kräutergartens, Waldläufe, Fahrradfahren oder Nachtwanderungen.
Die Förderung der Bewegung als elementarer und therapeutischer Bestandteil der physischen und psychischen Entwicklung ist unser grundlegender Schwerpunkt.
Kreative und spielerische bewegungspädagogische Angebote, bei denen Pferde oder Angeln eingebunden werden, unterstützen die Freude an der Bewegung und unterstützen eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.
Tätigkeiten wie sich zu bewegen, wahrzunehmen, sich zu fühlen, zu handeln und denken beeinflussen sich gegenseitig. Dieses Zusammenspiel ist bei den Jugendlichen besonders ausgeprägt, weil sie mit ihrem ganzen Körper wahrnehmen und agieren können. Ziel ist es, Grundlagen für das motorische, soziale, emotionale und kognitive Lernen zu fördern. Die Jugendlichen sollen demnach unterschiedliche Bereiche des Lebens aus neuer Perspektive kennenlernen und sich in der Auseinandersetzung mit der (sozialen) Umwelt üben.
Die Möglichkeiten, die die ländliche Umgebung, die dörfliche Struktur und der umliegende Wald mit seinen Seen bietet werden vielfältig genutzt.
Die Jugendlichen erlernen durch Sozialtraining, täglichen Umgang mit Gleichaltrigen, mit Erwachsenen und ihnen anvertrauten Tieren die Regeln und Strukturen des sozialen Miteinanders. Insbesondere der tägliche Umgang mit Pferden und der Natur schult außerdem ihr Verantwortungsbewusstsein.
Die Aufenthaltsdauer kann zur Sozial- und Berufsberatung genutzt werden. Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit entsprechenden Institutionen.
Es wird ein „geschützter Raum“ geschaffen, in welchem dem aus stark belasteten Vorverhältnissen stammenden Jugendlichen die Chance gegeben wird gewalt-, angst- und drogenfrei in einen geregelten Rhythmus zu finden.
Der Jugendliche lernt Grundvoraussetzungen für weitere schulische Bildung: morgendliches Aufstehen, Hygiene, geregelte gesunde Mahlzeiten, Konzentration während der Unterrichtsstunden, Umgang mit Autorität und respektvollen Umgang mit Mitschülern und Lehrpersonal. Der Jugendliche erlebt konsequentes konstantes Handeln, erhält dabei aber auch vielfältige Hilfsangebote gebunden an klare Regeln des Miteinanders. Bei Nichteinhaltung der Regeln erfolgen Sanktionen, respektive erfolgt ein Ausschluss der Maßnahme.
